Arroganz als Attitüde

Die liebe Masha hat vor zwei Wochen einen Beitrag zum Thema Arroganz der Modemacher gepostet. Ich musste schmunzeln, denn auch ich hatte dieses Wort ganz unabhängig von ihr kurz zuvor in den Mund genommen und war überrascht, es nun so schnell in ähnlicher Konstellation wieder zu entdecken. Eigentlich ist dieses Wort ja gar nicht mehr so geläufig. Meistens benutzt jeder irgendeinen englischen Ausdruck (Bitch oder Poser), um auszudrücken, dass sich jemand für etwas Besseres hält und keine Scheu hat, dies auch zum Ausdruck zu bringen.

Ich hatte es als Feedback zum Besuch der Berliner Fashion Week abgegeben. Ob es mir gefallen hätte und es sich lohnen würde, fragte mich nach meiner Rückkehr eine befreundete Pressekollegin. „Ja, es war schön gewesen. Ich habe nette Leute wieder getroffen, aber bin verwundert, mit welcher Hochnäsigkeit und Arroganz dort zum Teil umherstolziert wurde.“ Dies war mein ehrliches Feedback.

Ich war tatsächlich überrascht, denn meine bisherigen Erlebnisse liegen zwar mindestens zwei Jahre zurück, aber waren eigentlich das komplette Gegenteil von „Der Teufel trägt Prada“. Meistens habe ich es immer als große Wiedersehens-Familienfeier beschrieben, wenn mich daheim jemand nach den Erlebnissen in der Hauptstadt gefragt hat. Mit Bussi Bussi, jede Menge schönen Menschen, ein Gläschen Champagner (gern auch zwei), immer auf der Suche nach einer Steckdose um das Smartphone wieder mit Saft zu versorgen, was meistens scheiterte, man aber Gott sei Dank immer einen besser vorbereiteten Retter mit Super-Duper Powerbank in der Tasche fand.  Dieses Mal war es eben anders…

Natürlich gab es aber auch weiterhin die alten Bekannten und vielen Freuden des Wiedersehens. Das war schön und hat Spaß gemacht. Auch das obligatorische Gläschen war geblieben. Die Smartphones sind mittlerweile dem Daueronlinesein gewachsen, so dass die Steckdosensuche unnötiger geworden ist. Was nur eben auch plötzlich da war, waren schöne Menschen mit rollenden Augen und versteinerten Gesichtern. Lächeln ist diese Saison anscheinend nicht sehr angesagt. Zumindest hatte ich den Eindruck während meines Besuches. Ich muss dazusagen, dass mir diese vielen kalten Mienen völlig fremd waren und ich keinen zuvor kennengelernt habe. Es ist daher nicht fair, so zu reden und sie als Schmollmünder abzutun. Trotzdem waren sie auffällig allgegenwärtig und zwar einzeln und/ oder in Gruppen.  Mein freundliches Lächeln anscheinend aber auch, denn ich wurde sogar darauf angesprochen, warum ich denn so wäre. Als „PR Frau“ müsste man doch ganz anders sein, um seine Themen durchzubringen. Diese direkte Ansprache auf mein Verhalten brachte mich zum Grübeln und lässt mich seitdem gar nicht mehr los. Bin ich weniger erfolgreich wegen mangelnder Arroganz? Hmh, ich glaube nicht oder hoffe es zumindest. Zumal das ja auch kein Battle ist und jeder Erfolg anders bewertet. Da ich mit  SALUT  aber auch (m)einen kleinen „Bildungsauftrag“ pflege und auf keinen Fall möchte, dass eine der Fashion Week Neustarter glaubt, man müsse überheblich sein, um wahrgenommen zu werden, kommt jetzt meine ganz persönliche Liste, warum Arroganz nur das Selbstbewusstsein eines Minderwertigkeitskomplexes ist. Ich fahre mit meiner Art nämlich schon sehr lange sehr gut und kann diesen Klassiker „Freundlichkeit“ nur jedem wärmstens empfehlen:

  1. Der wichtigste Grund ist in der Tat: Man trifft sich immer zweimal im Leben. Du kannst heute noch PraktikantIn sein, morgen dafür aber ganz woanders wiederauftauchen. Das Wer oder Wo Du gerade stehst, ist meistens zweitrangig, denn man erinnert sich immer an das Wie.
  2. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch hinaus. Diese alte Binsenweisheit greift einfach immer und öffnet Herzen.
  3. Und gerade dieses Herzöffnen ist auch im Businessbereich nicht zu unterschätzen. Vertrauen ist die Grundlage und wer vertraut schon einem mürrischen Brummbären?
  4. Nicht zu vergessen die Optik. Die ist dann ja doch nicht unter den Tisch zu kehren und ein lächeln (egal wie schmal oder breit) ist ein echter Alltimefavourit und steht tatsächlich jedem von uns.
  5. Wollen wir nicht alle lieber positiv in Erinnerung bleiben? Das ist auch immer eines der Tipps, die ich meinen Coachies mitgebe: Positiv auffallen. Nicht nur durch Professionalität, nein auch Freundlichkeit und einer Prise Charme. Denn wenn ein Kunde die Wahl zwischen zwei gleichguten Influencern/ Blogs hat, würde er sich immer für den freundlicheren entscheiden. Warum auch nicht? Dann macht es – obwohl es Arbeit ist – einfach mehr Spaß. Und warum sich unnötig quälen.

Selbstverständlich werde ich im Sommer wieder nach Berlin reisen. Allein schon um zu schauen, welcher Trend dann ganz envogue ist und wie es allen so ergangen ist. So nachhaltig die kleinen Griesgrame in meinen Gedanken wirken, diese kleine Familienfeier lasse ich mir dann doch nicht vermiesen.

xo Mary-Ellen

 

PS: Wer Tipps oder Beratung für die Fashion Week in Berlin braucht, kann sich gerne melden. Auch das ist etwas, wo ich Euch mit SALUT unterstützen kann.