Tapetenwechsel für Anfänger

Martina von Still Sparkling hat es vorgemacht und ich bin ihr gefolgt. Mit Hund & Kegel hieß es vergangenen Mittwoch ab auf die Insel und rauf auf Rügen. Jippie! Ich kann es selbst kaum glauben und bin auch ein bisschen stolz, denn ich möchte für gigantische vier Wochen hierbleiben. Wuhaaaa! So rebellisch bin ich privat selten und die Entscheidung, dass SALUT Büro, mein zu Hause und all den vielen kleinen/ großen Verantwortlichkeiten gegenüber mal aus der Ferne zu begegnen, war gar nicht so leicht. Warum eigentlich?

 

Haben wir nicht alle ab und an einen Tapetenwechsel verdient?

 

Tatsächlich sieht mein Alltag hier auf Rügen auch nicht viel anders aus, als der in Hamburg: Früh aufstehen, Mails schreiben, Planen, Beraten, Telefonieren. Allerdings ist die Möglichkeit einfach mal so an den Strand zu huschen, so verlockend gewesen, da konnte ich nicht widerstehen. Zumal der letzte Urlaub schon eine ganze Weile her ist. Der Vorteil meines Berufs ist es ja von überall aus arbeiten zu können.  Alles was ich zwingend benötige, sind Internet und Strom. Der Rest ist schon beinah Luxus, aber zugegebener Maßen ein wunderbarer Luxus, den ich liebend gern genieße.

Die Wahrheit ist allerdings, ich nutze diese Freiheit des überall Arbeitens überhaupt nicht bzw. nicht so, wie ich sie eigentlich nutzen könnte. Meistens zumindest. Man ist dann doch zu sehr gefangen in seinem Hamsterrädchen und läuft und läuft und läuft ohne recht zu sehen, wohin und warum eigentlich.

Im Podcast von Stefanie Luxat hatte ihr Gast vergangenen Freitag ein ganz wunderbares Zitat zum Hamsterrädchen gebracht. (Der Podcast ist indes sehr zu empfehlen). Die Buchautorin und Journalistin Meike Winnemuth war bei ihr gewesen, um über ihre Freiheiten und Möglichkeiten mit weniger Dingen zu leben zu plaudern. Sie meinte:

 

Das Hamsterrad von innen betrachtet, sieht aus, wie eine Karriereleiter.

Nur von außen gesehen und mit dem nötigen Abstand erkenne man, wie gehetzt und gefangen man eigentlich sei.

 

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Warum nicht mal alles von einem anderen Blickwinkel betrachten und das Tageskarussel verlassen. Besonders wir mit unseren neuen verrückten Berufen (das ist indes ein Zitat meiner Oma), die völlig frei und ungebunden sind, könnten viel mehr aus diesen Möglichkeiten machen. Tun wir meistens aber doch nicht. Die Ausredenkette wird lang und länger. Von nein, wer macht die Post (auch dafür gibt es Lösungen) über ich habe nichts Warmes für den Strand (was völliger Blödsinn ist) bis hin zu, was sollen die Leute denken (alle haben sich für mich gefreut und reagierten eher in Form: „Oh, ich möchte auch.“).

Nun ja, Einsicht ist bekanntlich, der erste Weg zur Besserung. Daher sitze ich nun seit ein paar Tagen gutgelaunt in meiner kleinen Wohnküche, genieße neben dem normalen Daily Business, die herrliche Seeluft und schlafe Abends wie ein Baby. Erfolg auf ganzer Linie und die beste Work-Life-Kombi seit langem. Du musst allerdings nicht immer gleich einen kompletten Ortswechsel vornehmen. Die Luftveränderung gelingt auch in Kleinem. Hier daher einmal fünf Tipps, wie Du den Tapetenwechsel auch ohne Kofferpacken in Deinen Berufsalltag einbringen kannst.

  1. Wer sagt eigentlich, dass Du 9-17 Uhr am Schreibtisch sitzen musst? Fang einfach ein bisschen eher an und nutze die gewonnene Stunde, um früher Feierabend zu machen. Dann raus mit Dir und Freizeit genießen. Das geht freilich nicht jeden Tag, aber einen Tag in der Woche bestimmt.
  2. Der Ortswechsel im Kleinen geht es indes auch im Home-Office. Im Schneidersitz auf dem Fußboden, Esstisch in der Küche, ja sogar liegend auf dem Bett kann gearbeitet werden. Manchmal reicht ja tatsächlich nur ein anderer Platz, um wieder neu denken zu können. Im Büro kannst Du sonst auch mal mit der Kollegin den Schreibtisch für eine Stunde tauschen. Gerade wenn ich kreativ denken muss, hilft mir dieser Ortswechsel sehr. Wer mag sich schon Großes ausdenken, wo er just die Steuererklärung gemacht hat? Keiner.
  3. Überhaupt kannst du die kreative und strategische Arbeit räumlich voneinander trennen und in Deinen Kalender fest mit einplanen. Das mache ich in Hamburg tatsächlich auch und sogar regelmäßig. Mittwoch- und Freitagnachmittag sind extra für kreatives Denken fest eingetaktet. Mit einem Notizbuch bepackt bin ich mal im Museum zum Grübeln oder auch liegend auf dem flauschi Teppich zu finden. Nur so kann ich tatsächlich alles einmal durchplanen und auf neue Ideen kommen.
  4. Mein Trick 17 wenn ich einen Abgabetermin habe und im Büro einfach nicht weiterkomme, ist indes das Arbeiten in der Staatsbibliothek oder gern auch Café um die Ecke. Das hilft immer, denn ich bin dort viel weniger ablenkbar. Einfach Notebook einpacken und los geht`s.
  5. Und wenn gar nichts hilft, sich einfach eingestehen „Heute ist nicht mein Tag.“ Warum nicht frech mal freinehmen und gar nichts tun? Vielleicht brauchst Du einfach mal die Ruhe und kannst nach der Freizeit morgen viel frischer durchstarten. Geht auch nicht immer, ist völlig klar, aber sich diesen Luxus nicht einfach mal zu gönnen, ist in unserer arbeitsreichen Welt auch nicht das Richtige.

 

Und jetzt? Jetzt geht es ab an den Strand und ordentlich durchpusten lassen.

Macht es Euch schön.

Herzlich,

Mary-Ellen

 

Bildcredit: Photo by Thomas Stephan on Unsplash