Thank you for Travelling

Wie geht eigentlich Netzwerken? Dieses ominöse Wort, dass wenn man es laut ausspricht, mehr nach einer Mischung aus Reptil und Automechaniker klingt, als nach Kennenlernen und in Kontakt bleiben. Da hört sich „Gänseblümchen“ schon viel sanfter und aufgeschlossener an, doch davon reden alle herzlich wenig in Bezug auf Leute kennenlernen. Alle möchten immer netzwerken. Das ist gut für die Karriere und die Vita ebenfalls. Jupp, das sehe ich auch so. Daher werde ich über SALUT auch häufiger angesprochen „Mensch, wie machst Du das denn?“ Mein Umfeld weiß, ich bin keine sprichwörtliche Rampensau (wieder ein ganz wunderbares Wort), schaffe es aber trotzdem Leute kennenzulernen und bleibe auch nach flüchtigen Gesprächen im Gedächtnis.

Ich bin daher bewusst mal ein paar Tage durch die „Gegend“ gelaufen (ich bin vielmehr gefahren), um mich selbst zu beobachten Was mache ich, um mich zu vernetzen? Denn tatsächlich ist es in der Tat so, dass mir fast täglich spannende Leute begegnen, ich mit Fremden ins Gespräch komme und das sogar an den ungewöhnlichsten Orten. Meine fünf besten Tipps und Erlebnisse möchte ich nun mit Euch teilen. Wer weiß vielleicht fühlt der ein oder andere von Euch sich animiert, es mir nachzutun oder lacht sich einfach nur kaputt, über die verrückten Geschichten des täglichen Wahnsinns.[/vc_column_text]

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Thank you for Travelling
Thank you for Travelling
  1. Ich netzwerke überall

    Meine Erfahrung ist, es gibt nicht DEN einen Ort zum Netzwerken. Sobald ihr das Haus verlasst, seid ihr schon mittendrin. Tatsächlich ergeben sich bei mir ganz besonders beim Zugfahren, die lustigsten Möglichkeiten neue Leute kennenzulernen. Ich habe die Angewohnheit auf meinen Rückfahrten fast immer im Speisewagen Platz zu nehmen. Mit aufgeklapptem Notebook haue ich in die Tasten, bestelle mir ein Glas Wein und – ja, bitte nicht lachen – einen Snickers. Dies sind meine persönlichen zwei Evergreens um Step by Step den Tag hinter mich zu lassen und dem Zuhause fahrend näherzukommen. Das Schöne im Speisewagen ist, ich habe ein Gefühl von Feierabend und bin nach dem langen Tag nicht allein, sondern in gewisser Weise in Gesellschaft. Meistens füllt sich das Abteil nach und nach mit gleichgesinnten Worcaholics, so dass man relativ leicht ins Gespräch kommt. Ich forciere das nicht mal, aber da der Raum im Speisewagen recht überschaubar ist, spricht man schnell über das W-Lan der Bahn oder die manchmal lustigen Durchsagen des Zugpersonals. Was ich sagen möchte, ich komme seltener über die Business-Ebene mit Leuten in Kontakt als vielmehr über die alltäglichen Dinge. Versteift Euch daher nicht ausschließlich auf klassische Business Events, sonst erwartet spannende Leute an allen Orten dieser Welt.

  2. Ich netzwerke außerhalb meiner Berufsgruppe

    Ein gutes Netzwerk ist weitgefächert und konzentriert sich nicht ausschließlich auf eine Gruppe. Auf meinen Zugfahrten habe ich schon die spannendsten Leute getroffen und bin mit den meisten auch immer noch in Kontakt. Von der Bibelverkäuferin über einen Notar bis hin zum Bestatter waren schon die abenteuerlichsten Menschen mit spannenden Berufen dabei. Eines der lustigsten Rückfahrten war eine zurück aus Mannheim. Müde und kaputt saß ich über der Tastatur, um noch ein paar Gedanken festzuhalten, als ein großer Trupp Männer im Anzug reinstürmte, um ein Kaltgetränk zu bestellen. Ich sagte ja schon, der Platz im Speiswagen ist begrenzt, daher musste sich ein Teil der Gruppe auch an meinen Tisch setzen. Es stellte sich schnell raus, dass jeder von ihnen unterschiedliche Bereiche des Hamburger Nahverkehrs betreute. Busfahrer, Ingenieure, Marketingmenschen und Ticketverkäufer waren dabei und ergaben ein buntes Potpourri von Menschenschlägen. Jeder hatte unterschiedliche Dinge zu erzählen und nutzte die ungezwungene Kulisse des Zuges, um sich auszudrücken. Es war laut, turbulent und spannend. An Arbeiten war natürlich mich nicht mehr zu denken, dafür lernte ich aber unglaublich viel über das System des Nahverkehrs und die Verantwortung, die jeder einzelne von uns, den Fahrern entgegenbringt, sobald er/ sie in den Bus steigt. Ich sauge solche Gespräche immer auf, denn das gibt mir und meiner Arbeit immer auch neue Impulse. Für hier ist aber wichtiger, dass die Herren meine Arbeit natürlich ebenfalls sehr spannend fanden und wir aufgrund dieser lustigen Heimreise weiterhin in Kontakt blieben. Ich beschränke mich beim Netzwerken daher nie ausschließlich auf Menschen aus meiner Branche, sondern bin weit darüber hinaus connectet. Handwerker, Ärzte, Künstler, Verkäufer und viele mehr gesellen sich zu PR-Agenturen, Bloggern und Journalisten. Das macht es bunt und vielfältig, aber auch interessant. Ich kann jedem Netztwerkneustarter nur empfehlen, es ähnlich zu handhaben, denn ihr dürft nicht vergessen, auch diese Leute kennen wieder andere Menschen und könnten Euch mit ganz persönlichen Einblicken über Euch weiterempfehlen.

  3. Ich verlasse mich auf meine Gute Kinderstube

    Ihr seht schon, meine Zugfahrten sind immer lustig. Zumindest mache ich sie mir amüsant. Einige werden jetzt vielleicht schon denken, dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Deutschen Bahn entstanden. Nein, ist er natürlich nicht. Das wäre aber vielleicht mal was für später, denn mittlerweile werde ich sogar schon im Familienkreis angerufen, um die neuesten Bekanntschaften von meinen Rückfahrten zu erfragen. Meine Oma war sogar ganz aufgeregt als ihr berichtete, ich hätte Walther Plate von einer Berlinreise kennengelernt. Walter Plate ist ein deutscher Schauspieler, der u. a. in Der Landarzt mitgespielt hat. Ich kannte den Herren bis zu dem Zeitpunkt nicht und wusste auch bis zu dem Gespräch mit Oma nicht, was für ein Schauspieler er sei. Bei Wein & Snickers trafen wir uns nach der Fashion Week im Zug Richtung Hamburg. Ich war zu Beginn noch ziemlich abgehetzt und sprach andauernd Sprachnachrichten in mein Telefon, um einem Kunden noch ein paar finale Tipps zu geben. Aber spätestens als mein Gegenüber sein Essen bekam, setzte bei mir die Gute Kinderstube ein, und ich wünschte einen Gute Appetit. Gar nichts zu sagen, fühlt sich einfach unhöflich an, wenn man so dicht beisammensitzt. Meine Worte waren der Türöffner und wir kamen ganz ungezwungen ins Gespräch und plauderten über Gott und die Welt. Ein Bitte und Danke, Guten Tag und Auf Wiedersehen gehen so leicht von der Zunge und sind meine kleine Geheimwaffe im Alltag und auch beim Netzwerken. Das Wunderbare daran ist, es fühlt sich gar nicht nach Netzwerken an, sondern ergibt sich durch solche Kleinigkeiten einfach von selbst. Ich meinte ja schon, ich bin keine Draufgängerin und gehe nie ganz selbstbewusst einfach so auf fremde Leute zu. Das muss sich ergeben und tut es ja meistens auch. Herr Plathe lud mich indes noch zu einen seiner Aufführungen in Hamburg ein und wir verbrachten auch dort einen lustigen Abend mit wieder neuen Bekanntschaften und Eindrücken.

    Thank you for Travelling

  4. Kleider machen Leute

    Mein Kostüm zum Erfolg sind immer Kleider in denen ich mich bewegen kann und trotzdem den Anlass entsprechend angezogen bin. Das Businesskleid wird daher oft mit Turnschuhen kombiniert, weil das einfach zu mir passt und ich schnell von A nach B flitzen kann. Verkleiden tue ich mich nicht. Das wirkt zu aufgesetzt und sieht man mir schnell an. Anderen bestimmt auch daher hier auch die Erwähnung, denn zum Netzwerken muss man in der richtigen Stimmung sein. Neulich hatte ich die glorreiche Idee doch mal mit Highheels und Kleidchen zum Termin zu gehen. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wäre unterwegs nicht meine Strumpfhose kaputtgegangen. Nicht immer sind meine Zugfahrten eine Reise der Glückseligkeit, denn eine Dame hatte ihren Rollkoffer in meiner Strumpfhose verhakt und Schwupps war ein Loch drin. Hilfe! Ein Alptraum, dabei wollte ich doch mal besonders nett aussehen. Schnell am Bahnhof ein Ersatz gekauft, der leider zwickte und zwackte. Nicht das Strumpfhosen an sich nicht schon schlimm genug wären, wenn sie dann aber noch rutschen und man nur mit ihnen zugange ist, kann der Termin nichts werden. Puh! Nie wieder. Man zottelt die ganze Zeit, läuft komisch umher und ist mit den Gedanken mehr mit sich als dem Gegenüber beschäftigt. Nein, nein, das mache ich nicht mehr. Wohlfühlen steht bei mir immer an oberster Stelle und gibt mir genau das Selbstvertrauen mich den ganzen Tag nicht mit meinem Aussehen, sondern mehr mit meinen Inhalten zu beschäftigen. Und das bis in den Abend hinein.

  5. Ich bin offen

    Oh, es gibt Tage, da bin ich es nicht und super muffelig. Meine Mundwinkel hängen herab und ich schaue konsequent nach unten. Alles an mir sagt „Komm mir bloß nicht zu nahe!“. Wenn ich älter bin, werde ich bestimmt zu einen dieser Frauen, die im Stechschritt durch die Straße rennen und vor sich hinmurmeln, um die Welt zu verfluchen. Ich mag diese Mary-Ellen nicht, denn meistens zieht diese miese Laune noch Miesgelauntere an. Kein fruchtbarer Boden für gar nichts, kann ich Euch sagen. Dann gibt es andere Tage, die Gott sei Dank überwiegen, wo ich einfach neutral bin und offen durchs Leben gehe. Ich bin dabei keine Grinsebacke, sondern tue was man so tut und reagiere auf die Möglichkeiten, die sich ergeben. Das sind auch die Tage an denen ich all die lustigen Zugbekanntschaften getroffen habe. Alles zufällige Bekanntschaften, die quasi an den Tisch geflattert kommen. Wie von selbst ohne dass man viel für tun muss. Alles eine Frage der Einstellung.

So und jetzt bin ich auf Eure Netzwerkerfahrungen gespannt. Wo trefft ihr die meisten Leute und habt ihr auch so lustige Kennenlernorte, wie ich? Wenn ihr mich auf der nächsten Zugfahrt wiedererkennt, sagt unbedingt Hallo.

xo Mary-Ellen